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LAB TRIBUNE The World’s Lab Newspaper · German Edition No. 3/2010 · 7. Jahrgang · Leipzig, 3. März 2010 Qou vadis: CAD/CAM? Für Zahnärzte stellt sich die Frage: Wie auf die Entwicklung reagieren? Im Interview gibt Prof. Dr. Dr. Albert Mehl, Zürich, Antworten auf den derzeitigen Stand. Seite 20 Zukunftsweisend: NobelProcera™ Mit dem innovativen System können sämtliche Lösungen auf natürlichen Zähnen und Implantaten – individuell an die jeweils klinische Situation – hergestellt werden. Seite 22 Kosteneffizient: Lasersinter-Verfahren In automatisierten Fertigungszentren wird heute per e-Manufacturing auf Basis des Lasersinterns kostengünstig, präzise und schnell individueller Zahnersatz produziert. Seite 23 „CAD in practice“ Die Weiterentwicklung keramischer Werkstoffe für die Zahnmedizin und -technik konnte die Zuverlässigkeit vollkeramischer Restaurationen stetig steigern. Ein Beitrag von Priv.-Doz. Dr. Florian Beuer und Josef Schweiger. Bereits im Jahre 1889 wurde von Charles Land das Patent für die erste „Vollkeramikkrone“ angemeldet. Diese sogenannte „Land’s Crown“ wurde später als „Jacketkrone“ bezeichnet und war letztendlich der Urvorläufer der heutigen Vollkeramikkronen. In den Jahren seit 1987 war es durch die Verwendung computergestützter Fertigungsverfahren zudem möglich, auch industriell gefertigte Keramikblöcke für den Herstellungsprozess zu verwenden. Der Einsatz von CAD/CAM-Technologien in Zahnmedizin und Zahntechnik ist zu einem festen Bestandteil in der Herstellungskette für Zahnersatz geworden. War es am Anfang vor allem das Hochleistungsmaterial Zirkoniumdioxid, welches nur durch Fräsen bzw. Schleifen bearbeitet werden konnte, so finden zunehmend auch andere Materialklassen in der computergestützten Fertigung ihre Anwendung. Die Liste von keramischen Werkstoffen für die Bearbeitung durch CAD/CAM-Maschinen ist vom jeweiligen Fertigungssystem abhängig. Einige Fräsmaschinen sind speziell aufdie Fertigung von ZrO2-Gerüsten ausgelegt,während andere Systeme hingegen die komplette Palette keramischer Materialien abdecken, von Glaskeramiken über Infiltrationskeramiken bis hin zu oxidischen Hochleistungskeramiken.Die Vorteile maschinengestützter Fertigung zeigen sich in einer hohen Materialgüte aufgrund industriell vorgefertigter Rohlinge, einem praktikablen Qualitätsmanagement, in einer jederzeit möglichen Reproduzierbarkeit aufgrund digitaler Daten,in einer drastischen Reduktion der Herstellungskosten und schlussendlich in der Verarbeitung hochinnovativer Werkstoffe. Derzeit lassen sich folgende Kera1 Die Digitaltechnik öffnet weitere Türen Statement von Manfred Kern, Arbeitsgemeinschaft für Keramik in der Zahnheilkunde e.V. D Abb. 1: Lithium-Disilikat-Keramikblöcke zeichnen sich durch ihre hohe Biegefestigkeit aus (Darstellung der drei verschiedenen Kristallisationsstufen). 2 3 4 Abb. 2-4: Dentinkerne von Oberkieferfrontzahnkronen von 13–23 aus IPS e.max CAD Material vor und nach dem Kristallisationsbrand sowie nach der Fertigstellung. 5 6 Abb. 5: Mehrere Hersteller bieten zwischenzeitlich auch mehrfarbige Glaskeramikblöcke für die CAD/CAM-Bearbeitung an, hier am Beispiel des VITA TriLuxe forte Blockes. – Abb. 6: 14 Einzelzahnkronenkappen als CAD-Datensatz. mikwerkstoffe standardmäßig auf dentalen CAD/CAM-Maschinen bearbeiten: – Glaskeramiken • Feinstrukturfeldspatkeramiken • Leuzitverstärkte Glaskeramiken • Lithium-Disilikat-Keramiken – Infiltrationskeramiken • VITA In-Ceram ALUMINA (Al2O3) • VITA In-Ceram ZIRCONIA (Al2O3 ZrO2) • VITA In-Ceram SPINELLl (MgAl2O4) – Oxidische Hochleistungskeramiken • Zirkoniumdioxid • Aluminiumoxid Glaskeramiken Schleifbare Glaskeramikblöcke werden von mehreren CAD/CAM-Systemen zur Herstellung von Inlays, Onlays, Veneers, Teilkronen und Vollkronen (vollanatomisch, anatomisch teilreduziert) angeboten. Neben monochromen Blöcken bieten verschiedene Hersteller mittlerweile auch mehrfarbig geschichtete Rohlinge an (VITABLOCS TriLuxe [VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen], IPS EmpressCAD Multi [Ivoclar Vivadent, Fortsetzung auf Seite 18 er Fortschritt in der Zahnmedizin und Zahntechnik löste gewaltige Veränderungen aus. Digitale Abformung, virtuelle Konstruktionsmodelle und Artikulation, biogenerische Kauflächengestaltung, RapidPrototyping und 3-D-Printing für Labormodelle sind nur ein kleiner Ausschnitt von Themen aus der jüngsten Zeit. Die „konventionelle“ CAD/CAM-Technik ist in Zahnarztpraxen und Dentallabors längst angekommen. Aus der anfangs zögerlichen Haltung gegenüber computergefertigtem Zahnersatz ist ein akzeptiertes Standardverfahren geworden. Nun stehen die nächsten Evolutionsstufen bevor. Künfig werden Fertigungszentren eine wichtige Rolle spielen: Hohe Auslastung, spezialisiertes Personal und hohe Qualitätsmaßstäbe an die „Standardversorgung“ ermöglichen einen wirtschaftlichen Durchsatz. Mittlere und kleinere Zahntechniklabore werden ihre Kernkompetenz mit flexiblen, computergestützten Systemen und der Herstellung hochwertiger, ästhetischer Versorgungen sowie in der Spezialanfertigung im Bereich der Teilprothetik nutzen. Seit Kurzem ist die Fertigung von CAM-ausgeschliffenen Verblendungen zum Aufsintern auf Zirkonoxidgerüsten möglich. Was wird die Zukunft noch bringen? Die intraorale 3-D-Vermessung für die digitale Abfor- mung ist inzwischen bereits Realität und wird sich morgen auf breiter Front durchsetzen, ebenso die Onlineübertragung der Messdaten ins ZT-Labor zur Fertigung von Modell und Rekonstruktion. Damit kann der Zahntechniker noch besser und schneller mit dem Behandler kommunizieren. Messbereich und Genauigkeit der Scans werden auf weitspannige Versorgungen ausgedehnt werden. Ein ganz entscheidender Vorteil im Vergleich zur herkömmlichen Aufwachstechnik ist die funktionelle, morphologische Kauflächengestaltung. Der „genetische Bauplan“ unserer Zähne ist schon geknackt; die Fertigungssteuerung von patientenindividuellen Kauflächen für Teilkronen, Kronen und Brücken ist bereits in Kürze verfügbar. Damit hat die konventionelle, prothetisch kompromissgeprägte Zahndatenbank ausgedient. Ferner können virtuelle Artikulatoren beliebig programmierbare Bewegungen simulieren, sodass mehr individuelle Parameter in die Restaurationsoberfläche integriert werden können. Das Leistungspotenzial der CAD/CAM-Technik ist enorm, deshalb wird sie auch in Universitäten einziehen, die Ausbildung der Studierenden und die Behandlungsmöglichkeiten in den Praxen beeinflussen – im Interesse unserer Patienten, die aus dem Fortschritt ihren Nutzen ziehen wollen. 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