DTGE0210

4 International Science DENTAL TRIBUNE German Edition · Nr. 3/2010 · 3. März 2010 Obturationsmethoden und ihre Anforderungen – Ein Überblick Eine Vielfalt von Materialien steht heute für die Obturation des Wurzelkanalsystems zur Verfügung, mit denen ähnlich dichte Wurzelkanalfüllungen erzielt werden können. Univ.-Prof. Dr. Peter Städtler von der Medizinischen Universität Graz (MUG), Österreich, stellt Obturationsmethoden und Auswahlkriterien von Füllungsmaterialien vor. Die Ziele einer endodontischen Behandlung bestehen darin, mit einer genauen Aufbereitung, Formgebung und desinfizierenden Spülung die Mikroorganismen im Wurzelkanalsystem zu eliminieren und es anschließend dauerhaft dicht zu verschließen. Der Kontakt zwischen Wurzelfüllung und Gewebe sollte möglichst gering sein, damit es zu keiner Fremdkörperreaktion kommt. Laterale Kanäle müssen jedoch nicht gefüllt werden, da dies keinen Einfluss auf den (histologischen) Entzündungszustand des Periapex hat. Die Obturation des Wurzelkanals kann stattfinden, sobald der Zahn klinisch symptomfrei ist und nach Aufbereitung, Desinfektion und Trocknung kein Sekret in den Kanal fließt. Abb. 1: WK-Obturation. Abb. 2: GuttaFlow (Coltène/Whaledent). Einzeitige oder zweizeitige Wurzelkanalbehandlung? Unterschiedliche Erfahrungen, keine klare Evidenz, medikamentöse Einlage bei präoperativen Beschwerden – Reduktion der Bakterien im Wurzelkanal – Reduktion der postendodontischen Beschwerden – Bessere Abheilung periapikaler Läsionen Ob die Wurzelkanalbehandlung in einer oder in zwei Sitzungen durchgeführt werden soll, wird sehr unterschiedlich diskutiert: 34,2% der amerikanischen Endodonten gaben an, dass ihre Patienten gewisse Probleme hatten,wenn bei der ersten Sitzung abgefüllt wurde.In anderen Studien wurde dagegen kein Unterschied in der Abheilung periapikaler Läsionen sowie kein Unterschied bezüglich postoperativer Beschwerden gefunden. In einer deutschen Studie waren ein- und zweizeitige Wurzelkanalbehandlungen in > 90% erfolgreich,es bestand kein statistisch signifikanter Unterschied bezüglich der Größe der Läsion oder dem Vorhandensein von Schmerzen. Es ist mit weniger Risiko verbunden, bei vorhandenen Schmerzen nach der Aufbereitung zuerst eine medikamentöse Einlage zu legen und erst nach Abklingen der Beschwerden die Wurzel zu füllen.Nach einmaliger Medikation (one visit) wurden in 29 % der Fälle noch Bakterien im Kanal gefunden, nach Einlagen (two visit) in 36 %. Durch endodontische Behandlung in zwei Sitzungen wurden die postoperativen Beschwerden rascher reduziert als in einer Sitzung. Im Tierversuch an Hunden heilten periapikale Läsionen bei zweizeitiger Wurzelkanalbehandlung besser ab. nol entsteht kein zusätzlicher Trocknungseffekt. Zusätzliche Applikation von Warmluft bewirkt, dass die Füllung dichter wird. Obturationsmethoden Es stehen heute eine Vielfalt von Materialien für die Obturation des Wurzelkanalsystems zur Verfügung: Wurzelfüllpasten auf Basis von Kalziumhydroxid, Glasionomer, Zinkoxid mit und ohne Eugenol, Kunststoff, Guttapercha-Kunststoff, adhäsive Wurzelfüllmaterialien (Tab. 1) und thermoplastische Guttapercha (Abb. 1). Wurzelfüllpasten (Tabelle 1): Adhäsiv + Komposit Kunststoff-Guttapercha Kunststoffe Guttapercha-Kunststoff GuttaFlow (ROEKO/Coltène) besteht aus Guttaperchapulver (< 30 µm) und Kunststoff (Abb. 2). Die GuttaFlow-Kapsel wird im Kapselmischer gemischt, danach der Kapsel eine flexible Spritze aufgesetzt und beide in die Pistole eingesetzt. Dann wird der Masterpoint mit dem Material bestrichen und eingebracht. Schließlich wird der restliche Wurzelkanal mit GuttaFlow aus der Spritze aufgefüllt. Die Verarbeitungszeit beträgt 10 bis 15 Minuten, die Polymerisation 25 bis 30 Minuten. Bei der thermoplastischen Guttapercha kommt es nach der Erwärmung der Guttapercha in der Abkühlphase zur Schrumpfung. Das ist bei GuttaFlow nicht der Fall, da die Guttapercha nicht erwärmt, sondern kalt mit Kunststoff gemischt wird. Kunststoff und Dentinhaftmittel Bei Resilon/Epiphany (Jeneric/ Pentron) und Fibrefill (Pentron) soll durch den Einsatz von Dentinhaftmitteln und einer Wurzelfüllpaste (Sealer) aus Komposit eine Haftung zwischen Dentin und Wurzelfüllpaste einerseits und möglichst auch eine Haftung zwischen der Wurzelfüllpaste und dem Wurzelkanalstift andererseits erzielt werden. Resilon (der Wurzelkanalstift) besteht aus einem thermoplastischen, synthetischen Polyester-Polymer, bioaktivem Glas, Schwermetallen und einem Füllergehalt von ca. 65 Gew.-%. Der Resilonstift ist entfernbar und löslich in Chloroform. Epiphany Root Canal Sealant ist ein dualhärtendes Komposit (BisGMA, äthoxyliertes Bis-GMA, UDMA und hydophile difunktionale Methacrylate mit Füllern aus Kalziumhydroxid, Bariumglas und Silica mit einem Gesamtfüllergehalt von circa 70 Gew.-%). Resilon (Jeneric/ Pentron) Fibrefill (Pentron) GuttaFlow (Coltène/Whaledent) RoekoSeal (Coltène/Whaledent), AH Plus (DENTSPLY) 2Seal (VDW), Adseal (Cumdente) EndoREZ (ULTRADENT Products) Hermetic (lege artis), Aptal-Harz Wurzelfüllung (Speiko) N2 Endodontic Cement (Hager & Werken) Endomethasone N (Septodont) Ketac-Endo Applicap (3M ESPE) Apexit pus (Ivoclar Vivadent) Trocknen Zum Trocknen werden Papierspitzen verwendet, wobei eine Papierspitze mit einer integrierten Längenmarkierung und Farbcodierung sehr empfehlenswert ist. Es wird geraten, die Papierspitzen erst unmittelbar vor dem Abfüllen zu entfernen. Durch Spülung mit 70 % Ätha- Zinkoxid-Eugenol Zinkoxid ohne Eugenol GIZ Kalziumhydroxid ª Marktübersicht: Obturationsmaterialien Hersteller / Vertrieb Produkt COLTÈNE/WHALEDENT COLTÈNE/WHALEDENT CUMDENTE GMBH HAGER & WERKEN JENERIC/ PENTRON LEGE ARTIS SPEIKO ULTRADENT PRODUCTS VDW Roeko GuttaFlow/ Roeko GuttaFlow FAST RoekoSeal Automix/ RoekoSeal Single Dose Adseal N2 Endodontic Cement Resilon Hermetic Aptal-Harz Wurzelfüllung EndoREZ 2Seal/ 2Seal easymiX Dichtigkeit Studien vorhanden: www.coltene.com Studien vorhanden, auf Anfrage Studien vorhanden, auf Anfrage Studien vorhanden, auf Anfrage Studie vorhanden, Prof. Martin Trop Studien vorhanden, auf Anfrage Studien vorhanden, auf Anfrage Studien vorhanden, auf Anfrage Studie von Schäfer E, 2000 Löslichkeit 0,0%, gem. ISO 6876:2001 0%–0,05%, gem. ISO 6876:1986 0,0324 % gemäß ISO 6876 1,1 % nach 12 Monaten komplett resorbiert überfülltes Material wird resorbiert auf Anfrage jenseits Apex resorbierbar, innerh. 3–6 Mon. nach 24 h bei 0,11% Biokompatibilität Studien vorhanden: www.coltene.com Studien vorhanden, auf Anfrage nach ISO 10993, Studien vorhanden keine Angabe Studien vorhanden, auf Anfrage Studien vorhanden, auf Anfrage Studien vorhanden, auf Anfrage Studien vorhanden, auf Anfrage u.a.: Dammasche et al.; 2006, gem. ISO 10993 Klinisch Verarbeitungszeit Aushärtungszeit kontrollierte Studien nach Anmischen durchgeführt durchgeführt durchgeführt durchgeführt durchgeführt keine keine ja, liegen vor ja 10–15 min 4–5 min bis zu 30 min 35 min 7 min bis zu 30 min 5–12 min 8 min ca. 12–15 min 25–30 min 8–10 min ca. 45–50 min 45 min 8–10 min 45 min 1–2 Tage innerhalb 24 h ca. 30-45 min, mit Accelerator 5 min Preis pro Kanal Produktpreis auf Anfrage auf Anfrage beim Dentalfachhandel beim Dentalfachhandel auf Anfrage auf Anfrage beim Dentalfachhandel beim Dentalfachhandel 54,90€* *zzgl. gesetzlicher Mwst. auf Anfrage ca 0,40 € pro Point < 0,5 € auf Anfrage indiv. verschieden 1,12 € bei einwurzeligem Zahn k.A. k.A. auf Anfrage beim Dentalfachhandel auf Anfrage Obturation Kit 159,90 € Sealer (15g): 87,10 € Tube (8ml): 65,90 € mind. 4 h bei 23 °C mind. 8 h bei 37 °C. gem. ISO 6876:2001(E) gem. ISO 6876:2001(E) Die Marktübersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Stand: Februar 2010

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