DTAU0310

12 Hygiene Tribune ª Es darf nicht vergessen werden, unter welchen ungünstigen Bedingungen und Schwierigkeiten Patienten/-innen mit Behinderungen vielfach behandelt werden können. Nur mit einem oft großen personellen und einem enorm gesteigerten zeitlichen Aufwand kann ein stark zerstörtes Gebiss bei Patienten/-innen mit Behinderungen wiederhergestellt werden (Abb. 4 a – c). trolle unterstützende Prohylaxesitzungen mit professionellen Zahnreinigungen und Mundhygienedemonstrationen regelmäßig durchzuführen. Patienten/ -innen mit Behinderungen muss eine Methode zur persönlichen Belagskontrolle empfohlen werden, die ihre motorischen oder mentalen Einschränkungen berücksichtigt und die sie und/oder ihre Angehörigen oder Betreuer bei ihnen auch durchführen können (Abb. 5). Marginale Parodontitis Problematisch bleibt die Therapie der marginalen Parodontitiden. Das Ziel einer Parodontalbehandlung besteht in dem Aufhalten des destruktiven Krankheitsgeschehens, dem Verhindern von akuten Schüben und dem Gewinn von parodontalem Attachment durch eine supra- und subgingivale Entfernung der Hart- und Weichablagerungen, die bei aggressiv verlaufenden Formen durch eine systemische und/oder antimikrobielle Therapie wirkungsvoll unterstützt werden kann. Dabei konnte die zentrale Bedeutung der sorgfältigen Plaquekontrolle durch den/die Patienten/ -in durch Langzeituntersuchungen nach Parodontalbehandl- Abb. 5: Mundhygienedemonstration bei einer Patientin mit Morbus Down. Abb. 6: Professionelle Zahnreinigung bei einem Patienten mit geistiger Behinderung. Abb. 7a: Prophylaxe vom ersten Milchzahn an bei einer Patientin mit Morbus Down. Parodontalbehandlungen Plaque-induzierte Gingivitis Die Gingivits ist eine reversible Erkrankung. In den meisten Fällen führt die mechanische Entfernung bzw. Reduktion der supragingivalen Mischflora zu einer Homöostase der bakteriellen Aggression und der Wirtsabwehr sowie zu einem Ausheilen der bindegewebigen Entzündungszustände. Der persönlichen Zahnpflege kommt bei der Behandlung gingivaler Entzündungszustände eine große Bedeutung zu. Bei Menschen, die Schwierigkeiten bei der Durchführung der persönlichen Zahnpflege haben, besteht die Notwendigkeit zur InfektionskonANZEIGE ungen bestätigt werden. Eine mangelhafte oder fehlende Mundhygiene im Anschluss an parodontaltherapeutische Maßnahmen verhindert nicht nur den Erfolg der Behandlung, sondern kann unter Umständen auch zu einer Exazerbation der parodontalen Entzündungserscheinungen führen. Wegen der häufig anzutreffenden unzureichenden persönlichen Zahnpflege sind wir daher bei der Durchführung der Parodontitistherapie bei Patienten/-innen mit Behinderungen äußerst zurückhaltend. Dieses gilt in besonderem Maß für Patienten/-innen mit Morbus Down, bei denen die Wirkung parodontal-therapeutischer Maßnahmen noch zusätzlich ungünstig beeinflusst wird durch die Funktionsschwäche des unspezifischen Immunsystems. Zwar kann durch regelmäßig durchgeführte professionelle Entfernung harter und weicher Ablagerungen eine Reinfektion vermindert und eine unzureichende persönliche Belagskontrolle nach einer Parodontalbehandlung bis zu einem bestimmten Ausmaß kompensiert werden. Inwieweit dadurch aber Langzeiterfolge gewährleistet werden können, bleibt abzuwarten (Abb. 6). Allerdings ist eine gänzliche Verweigerung einer notwendigen Taschentherapie wegen einer unzureichenden Mundhygiene aus ethischen Gründen und dem heutigen Verständnis zur Entstehung entzündlich destruktiver Parodontalbehandlungen nicht gerechtfertigt. Medikamentös determinierte Gingivawucherungen Weit ausgedehnte medikamentös-induzierte gingivale Wucherungen können die Kaufunktion beeinträchtigen und eine Zahnpflege erheblich erschweren. Sie werden durch ein Ausdünnen und/oder Abtragen der gingivalen Gewebsvermehrung in Form einer externen Gingivektomie, verbunden mit Gingivoplastik behandelt. In der Regel werden diese ausgedehnten Eingriffe während einer Intubationsnarkose ausgeführt. Da die Aufrechterhaltung einer guten Mundpflege die Neubildung gingivaler Wucherungen zu einem großen Teil verhindern kann, ist nach Abschluss der Therapie eine sorgfältige Plaquekontrolle zur Vermeidung von Rezidiven zwingend notwendig (Abb. 3 und 4 a–c). Prophylaxe Aus der oben beschriebenen Problematik einer unzureichenden Zahnpflege konzentriert sich unsere Arbeit hauptsächlich auf Prophylaxemaßnahmen. Im Rahmen von regelmäßigen Kontrollsitzungen versuchen wir, durch professionelle Zahnreinigungen und Mundhygienedemonstrationen, die Karies und gingivale Entzündungszustände unter Kontrolle zu halten (Abb. 5 und 6). So zeigten die Ergebnisse einer eigenen Studie, dass durch regelmäßig durchgeführte Kontrollsitzungen mit professionellen Zahnreinigungen und Mundhygienedemonstrationen der Mundgesundheitszustand von Patienten mit Morbus Down günstig beeinflusst werden konnte (Veröffentlichung in Vorbereitung). Über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 18 Jahren konnte bei diesen Patienten/-innen ein durchschnittlicher DMF-T-Summenindizes unter dem von Erwachsenen der 4. Deutschen Mundge- Abb. 7b und c: Dieselbe Patientin im Alter von 23 Jahren. Welche Vorteile hat Prüser’s Zahntechnik für Sie als Zahnarzt? Haben Sie den Eindruck, die wirtschaftliche Entwicklung schränkt Ihren Spielraum ein? sundheitsstudie aus dem Jahr 2006, ein hoher Anteil von kariesfreien Dentitionen und eine hohe Zahl von Restaurativen festgestellt werden. Weiterhin konnten der geringe Anteil von erwachsenen Patienten/-innen mit fortgeschrittenen parodontalen Destruktionen und die niedrigen Extraktionsraten der vorliegenden Studie die positive Wirkung des Vorsorge- und Nachsorgeprogramms auf parodontale Erkrankungen und den Zahnverlust bei Patienten/-innen mit Morbus Down über einen längeren Zeitraum nachweisen (Abb. 7 a – c). Fazit Durch aufwendige zahnerhaltende Maßnahmen kann bei Patienten/-innen mit Behinderungen ein stark zerstörtes Gebiss restauriert und bis zu einem gewissen Grad eine ausreichende Kaufunktion und eine ansprechende Kosmetik dauerhaft (wieder) hergestellt und weitere Destruktionen des stomatognathen Systems verhütet werden. Voraussetzung dazu ist ein konsequent durchgeführtes Nachsorgeprogramm. HT Die Literaturliste ist bei der Redaktion erhältlich. Kontakt Prof. Dr. Peter Cichon Abteilung für spezielle zahnärztliche Betreuung Zahn-, Mund- und Kieferklinik Universität Witten/Herdecke Alfred-Herrhausen-Str. 50 58455 Witten Deutschland Tel.: +49-23 02/9 26-6 00 Fax: +49-23 02/9 26-6 61 pcichon@t-online.de immer ein Lächeln voraus Prüser’s Zahntechnik GmbH Prielstrasse 22 | 4600 Wels Tel.: +43 (0)7242-4 46 10 Fax: +43 (0)7242-4 46 10-40 info@prueser - dental.com www.prueser - dental.com

Bitte aktivieren Sie Javascript!
Lade ePaper...