
Wer in den vergangenen Jahren ab und zu einmal einen Allgemeinmediziner konsultiert hat, der weiß: Der Blick in den Mund ist out, obwohl gerade er immens wichtig ist. Dr. Dr. Michael Wiesend, Dr. Bettina Hübinger-Wiesend und Dr. Dr. Hans-Jürgen May klären über die Methodik der Mundschleimhautuntersuchung auf.
4 International Science DENTAL TRIBUNE German Edition · Nr. 1+2/2010 · 5. Februar 2010 Die Mundschleimhaut – ein Nebenschauplatz im Fokus Wer in den vergangenen Jahren ab und zu einmal einen Allgemeinmediziner konsultiert hat, der weiß: Der Blick in den Mund ist out, obwohl gerade er immens wichtig ist. Dr. Dr. Michael Wiesend, Dr. Bettina Hübinger-Wiesend und Dr. Dr. Hans-Jürgen May klären über die Methodik der Mundschleimhautuntersuchung auf. Eine Anämie diagnostiziert man nicht mehr anhand der blassen Schleimhäute, sondern mittels Labor, eine Verdachtsdiagnosestellung aufgrund eines charakteristischen Atemgeruchs gehört längst in die Medizingeschichtsbücher und selbst die Eiterstippchen auf den Mandeln werden erst wieder interessant,seit die Kosten für den Streptokokken-Schnelltest am Arzt hängen bleiben. So kommt es, dass die genaue Inspektion der Mundhöhle, der Schleimhäute und der Zunge oft nur noch bei ganz konkreten Hinweisen oder Beschwerden des Patienten stattfindet und das Auffinden der beschwerdefreien Befunde dem Hauszahnarzt überlassen bleibt. Wie komme ich zur Diagnose? Schleimhautläsion 1 2 Inspektion, Palpation,Anamnese Nachkontrollen (Kurzzeit) Prothesenkarenz 3 4 Bürstenbiopsie* Probeexzision beim Facharzt, MKG-Chirurg oder Fachklinik Staging + Therapie Abb. 1: Typisches Plattenepithel-Ca. Abb. 2: Homogene Leukoplakie. Abb. 3: Mundsoor. Abb. 4: Harmlose Aphthe. Früherkennung wichtig Die Verantwortung des Zahnarztes für die Früherkennung bösartiger Tumoren der Mundhöhle ist somit heute größer denn je, und statistisch gesehen diagnostiziert ein niedergelassener Zahnarzt bereits ein Karzinom in fünf Jahren. Eine Krebserkrankung im Bereich des Mundes ist für den Betroffenen aus mehreren Gründen ganz besonders schwerwiegend. Als Erstes zu nennen ist die aufgrund der guten Durchblutung und der zahlreichen Lymphbahnen im Kopf-Hals-Bereich besonders schnelle Streuung von Krebszellen. Schon kleine Primärtumoren können bereits in die Lymphknoten oder sogar die zentralen Organe metastasiert haben, wenn man sie entdeckt. Für den Erkrankten von zentraler Bedeutung ist auch die auf die Diagnose folgende Therapie. Ein Eingriff im Bereich von Kopf und Hals ist nur in seltenen Fällen gut zu kaschieren und je weiter fortgeschritten der Tumor, desto „verstümmelnder“ die Operation. Sogar die Angst vor starken Schmerzen und funktionellen Einschränkungen beim Sprechen oder Essen steht im Hintergrund, wenn der Betroffene befürchtet,dass ihn nach der Operation niemand mehr – aus Angst oder Ekel – ansehen möchte. Natürlich sollen auch andere bedeutsame Befunde wie zum Beispiel kontrollbedürftige Frühveränderungen (Leukoplakien) oder Neubildungen, die nicht gleich mit Malignität in Verbindung gebracht werden (Angiome, Fibrome), nicht vernachlässigt werden. Auch können die Schleimhäute Frühsymptome von Autoimmunerkrankungen (Pemphigus vulgaris, Lupus erythematodes, Sklerodermie etc.), anderen System- oder Organerkrankungen (z. B. Herz-, Nieren- oder CT/R/OP/R Grafik 1: Stufenplan. Leberinsuffizienz) oder chronischen Infektionen (Syphillis, Borreliose, Tuberkulose etc.) zeigen. Untersuchungsmethodik Grundsätzlich empfiehlt es sich,bei der Inspektion der Mundhöhle nach einem bestimmten Schema vorzugehen. So spart man (nach Aneignung einer gewissen Routine) Zeit und vergisst auch nichts. Am besten ist die Darstellung mithilfe zweier Spiegel. Herausnehmbare Prothesen dürfen natürlich bei der Untersuchung nicht im Mund sein. Zunächst sollten die Lippen oben und unten von außen und innen betrachtet werden, wobei im gleichen Untersu- chungsgang auch die Umschlagsfalte des Vestibulums und das Zahnfleisch an den Außenseiten der Alveolarfortsätze mitinspiziert werden kann,nicht zu vergessen die oft schwer einsehbare Schleimhaut hinter dem letzten Zahn der Zahnreihe. Danach folgt die vollständige Darstellung der Wangenschleimhaut, wofür man diese erst rechts, dann links mithilfe der beiden Spiegelchen vorsichtig aufspannt.Hierbei stellen sich auch die inneren Mundwinkel gut mit dar. Innerhalb der Zahnreihen gibt es im Oberkiefer die Innenseite der Alveolarkämme und den Gaumen (harter Gaumen, weicher Gaumen, Uvula) zu beurteilen.Im Unterkiefer sind es ebenfalls die Alveolarkämme, aber auch der Mundboden und die Zunge. Für die letzten beiden Punkte muss der Patient ein bisschen Zungengymnastik betreiben, die Zunge weit herausstrecken, nach vorne für die Zungenoberseite und den Zungengrund, nach rechts und nach links für die Zungenseiten, die Zunge an den Gaumen drücken bei weit offenem Mund für die Beurteilung der Unterseite, des Zungenbändchens und des Mundbodens.Um hier bei manchen Patienten das Würgegefühl zu nehmen, gibt es die Möglichkeit, die Schleimhäute mit dem Xylocain-Pumpspray zu betäuben. ➟ rb iol og DN isc Ah Hy mi brid kro i Te b sie stt b i o iolo run yp gis g ch e RN mis ch A - ch H qu ybri an dis t i Pa itat. erun / ro do qua g Ka ntit lita rie t. i Sp s s eic Mu he nd lau hö sw Pa hle ro nk An er t. do reb we Wa nta nd ng lt a s un sch en gs Mu sc e ge nd hle bie hö im t ex hle ha tra ut En or /Läs tn ion Zu al ah 1 ng me en de La do rP bo rsu rob r m e ch air sid no e tw en lie dig ge Or nv td or er Au sw er tu Br ng ut sch r wi sse ank ns cha ftl . 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