
Wer in den vergangenen Jahren ab und zu einmal einen Allgemeinmediziner konsultiert hat, der weiß: Der Blick in den Mund ist out, obwohl gerade er immens wichtig ist. Dr. Dr. Michael Wiesend, Dr. Bettina Hübinger-Wiesend und Dr. Dr. Hans-Jürgen May klären über die Methodik der Mundschleimhautuntersuchung auf.
6 ➟ International Science DENTAL TRIBUNE German Edition · Nr. 1+2/2010 · 5. Februar 2010 Auffälligkeiten sollten immer auf ihre Beschaffenheit hin palpiert werden, wenn möglich bimanuell mit Gegenhalt, ob sie sich derb oder weich anfühlen und sich von der Umgebung unterscheiden. Optimal wäre anschließend eine kurze Palpation der Hauptlymphknotenstationen des Kopf-Hals-Übergangs und des Halses. 5 6 Auffällige Befunde Grundsätzlich gilt hier wie so oft, dass es immer besser ist,eine Auffälligkeit zu viel abklären zu lassen als eine zu wenig. Für die Veränderungen der Mundhöhle im besonderen Fall gilt, dass die Zeit für eine zu erwartende Abheilung oder Verbesserung kurz angesetzt werden sollte, wenn die Möglichkeit einer Malignität besteht, also lieber engmaschig kontrollieren und zügig überweisen als großzügig zu warten.Für den Arzt selbst zum späteren Vergleich und auch für eine Überweisung ist eine genaue Beschreibung des Befundes sehr wichtig, die Art der Effloreszenz (Makula, Papel, Vesicula,Bulla,Erosion,Ulkus,Rhagade, Atrophie, Narbe), die Färbung und deren Intensität (intensivrot, schwachrot, weißlich, weiß, gräulich etc.), Zahl und genaue Verteilung bei mehreren Veränderungen, spezifische Kennzeichen (netzförmig, gestielt, erhaben), die Größenausdehnung (in mm) sowie der Palpationsbefund der Veränderung selbst und der Lymphknotenstationen. Dabei ist es nicht wichtig, immer genau die richtigen Fachtermini zu beherrschen, sondern die Beschreibung muss (egal ob trocken oder fantasievoll) einfach nachvollziehbar sein. Bewährt hat sich auch die bildgebende Archivierung.Im Zeitalter der Intraoralkameras und günstig gewordenen Spiegelreflexkameras sowie den immer größeren Speichermöglichkeiten ist dies eine gute und sinnvolle Hilfe, die Schleimhautbefunde zu archivieren. 7 8 9 10 Abb. 5: Druckulkus. Abb. 6: Lichen mit typischen Wickham’schen Streifen. Abb. 7: Plattenepithel-Ca. Abb. 8: Typisches Hämangiom. Abb. 9: Riesenzellgranulom. Abb. 10: Sarkom. Abb. 11: Kieferhöhlen-Ca. 11 Verfärbungen in der Mundschleimhaut können etwa ein Hinweis für ein Hämangiom (Abb. 8) sein, was nicht operiert werden muss. Differenzierungen sind aber dazu beispielsweise auch das Riesenzellgranulom (Abb. 9), was operiert werden muss oder gar,wenn auch selten, das Bild eines Sarkoms (Abb.10). Weitere wichtige Alarmsignale sind Ulzera oder Wunden, die nicht heilen, obwohl offensichtliche Ursachen wie reibende Prothesen oder bestimmte Verhaltensweisen wie Beißen als Ursache ausgeschlossen werden können. Neben der mangelnden Heilung ist oft auch der fehlende Schmerz auffällig. Während normal schon kleine Aphthen große Schmerzen bereiten können, findet man bei bösartigen Veränderungen oft erschreckende Bilder, z.B. Ulzera ohne Leidensdruck, ein Beispiel einer Ulzera war der Durchbruch eines Kieferhöhlen-Ca. in die Mundhöhle (Abb.11). Dies verlief ganz ohne Schmerzen und wurde erst auffällig, als die Prothese nicht mehr recht saß. Wichtige Kriterien, die bei untypischen Schleimhautbildern immer mit erfragt und bedacht werden müssen, sind:Schmerzhaftigkeit,Randwall,nicht heilende Extraktionswunde, Ulkus, Druckstelle,Bissverletzung,Schwellung, Foetor, Schluckbeschwerden, Zahnlockerungen,Sensibilitätsstörung,Ohrensausen, Osteolysen (OPG), Motorik, Kieferklemme, Schwellung am Hals. Ein möglicher Stufenplan könnte wie in Grafik 1 dargestellt aussehen. verschiedenen Varianten der oralen Zytologie (Bürstenbiopsie). Schlussbemerkungen Zusammenfassend sollte noch einmal gesagt werden, dass der Zahnarzt sich seiner wichtigen Funktion bei der Diagnose vieler Erkrankungen anhand von Schleimhautveränderungen und bei der Früherkennung bösartiger Veränderungen innerhalb der Mundhöhle bewusst sein sollte.Nicht nur beim klassischen Risikoklientel,den älteren,multimorbiden,von Nikotin- und Alkoholabusus geprägten Männern, sollte eine regelmäßige Untersuchung der Mundhöhle zum Programm gehören. Beim Erstkontakt und bei den (halb-)jährlichen Routinekontrollen kann mit ein bisschen Übung der MundhöhlenCheck innerhalb von ein bis zwei Minuten problemlos angehängt werden. Bei Auffälligkeiten gilt: Genau beschreiben und dokumentieren, engmaschig überwachen und beim kleinsten Zweifel zur Abklärung überweisen. Bei jedem klinischen Karzinom-Verdacht erübrigen sich alle ergänzenden diagnostischen Maßnahmen, denn es wird unmittelbar eine Skalpellbiopsie erforderlich. Und an alle Kollegen: Man blamiert sich niemals,weil man wachsam oder vorsichtig ist, aber ein übersehenes Karzinom kann nicht nur das Image, sondern auch das Gemüt ankratzen. DT Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Oralchirurgie Journal, in dem der Beitrag erstmals in der Ausgabe 4/2009 erschien. Maligne Läsionen Auf die selbst für den Laien als bösartig erscheinenden Veränderungen wie große, derbe Tumoren, die bereits die natürlichen Strukturen angegriffen oder zerstört haben, sollte nicht extra eingeANZEIGE gangen werden müssen (Abb.1).Zu den Befunden, bei denen alle Alarmglocken klingeln sollten, gehört natürlich die Leukoplakie (Abb. 2). Sie ist im Prinzip ein dauerhafter weißer Fleck auf der Schleimhaut, nicht abwischbar im Vergleich zum Mundsoor, der auch öfter nicht erkannt wird (Abb. 3). Die Leukoplakie wird durch eine verstärkte Verhornung der eigentlich unverhornenden Schleimhaut verursacht und findet sich laut Studien bei circa 2–4% eines normalen erwachsenen Patientenklientels, bei Männern dabei fast doppelt so häufig wie bei Frauen. Von diesen Leukoplakien sind knapp 90% harmlos, die restlichen 10% sind etwa zur Hälfte Präkanzerosen, zur anderen Hälfte schon Früh- karzinome. Die Differenzierung bei leukoplakischen Veränderungen lauten wie folgt: harmlose Aphthe (Abb. 4), harmloses Ulkus (Abb.5),der Lichen (Abb.6), Plattenepithel-Ca. (Abb. 7), um nur die wichtigsten zu nennen. Die Konsequenz hieraus sollte nicht sein,die Dinge zu verharmlosen,sondern die Patienten aufdie Dringlichkeit von Kontrolle oder Probeexzision hinzuweisen, ohne sie gleich völlig zu verängstigen.Auch andere Verfärbungen können Hinweise auf maligne Entwicklungen sein.Rotfärbungen und Inhomogenitäten, also Farbwechsel, sollten ebenso kritisch betrachtet werden wie die blau-schwarze „Einblutung“, die, wenn sie persistiert, auch ein Melanom sein könnte. Einfache livide Diagnostische Hilfsmittel Bei Schleimhautläsionen besteht die Notwendigkeit, das Gefährdungspotenzial korrekt einzuschätzen. Für diesen Schritt der Früherkennung gibt es unterstützende Verfahren, die erwähnt werden sollten, für die allerdings die wissenschaftliche Absicherung und die klinische Akzeptanz erhebliche Unterschiede aufweist, in den Gremien unterschiedlich diskutiert werden und deshalb hier auch nur erwähnt, aber nicht diskutiert werden soll. Bei den heute überwiegend propagierten Verfahren gibt es die Toluidinblaufärbung, die fotodynamische Diagnose, die Autofluoreszenzdiagnostik und die Dr. Dr. Michael Wiesend Facharzt für MKG-Chirurgie und Fachzahnarzt für Oralchirurgie Koblenzer Straße 11–13 56410 Montabaur www.mkg-montabaur.de D i e p e r f e k t e L ö s u n g f ü r Ko m p o s i t - R e s t a u r a t i o n e n i m S e i t e n z a h n b e r e i c h ! 60-Tage-Geld-zurück-Garantie! 339,00€* Soft-Face 3D Ring: g . 3D Soft Face™ verhindert Überstände . Harter Kunststoffkern separiert Zähne . Passt genau über den Keil . Große Ringfüße für weite Präparationen . Extrem stark – kein Verformen Als kleines Dankeschön für Sie! 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